Private Equity in der Steuerberaterbranche – mal ehrlich
In letzter Zeit vergeht kaum eine Woche, ohne dass irgendwo über PE im Steuerberatungsmarkt diskutiert oder eine neue Studie zitiert wird. Zuletzt wieder eine Umfrage von Kammern und ECOVIS – mit der erwartbaren Haltung: kritisch, emotional.
Das Thema wird überstrapaziert
Ganz ehrlich? Ich finde, das Thema wird überstrapaziert. Große Organisationen treiben die nächste „Sau durchs Dorf“, während Kanzleien im Alltag mit ganz anderen Themen kämpfen:
- Fachkräftemangel
- Digitalisierung
- Mandantenkommunikation
- Automatisierung
PE-Logik ohne PE-Kapital
Spannend ist, dass große Verbünde wie ETL, ECOVIS, RTS (heute in ECOVIS) längst Strukturen nutzen, die an PE erinnern: zentrale Steuerung, Markenlizenz, Standardisierung, Cross-Selling. Wachstum und Skalierung im Vordergrund – nur dass das Kapital aus Partnergewinnen stammt und nicht von Investoren.
Auch TaxTech-Anbieter wie Taxdoo oder neue Plattformhäuser denken nach denselben Prinzipien – Aufbau, Standardisierung, Internationalisierung, Skalierung. Unterschied: einmal Kanzlei, einmal Tech.
Strategische Stimmungsmache?
Ich sehe darin eher strategische Stimmungsmache: Wer sich klar gegen PE stellt, schützt vor allem die eigene Marktstellung und das bestehende System.
Sinnvoller wäre, wenn Kammern und Verbände endlich eine klare Zukunftsstrategie entwickeln, statt nur zu reagieren.
Chance für kleinere Kanzleien
Und ja – für kleinere Kanzleien kann PE eine Chance sein: Wer sich spezialisiert, digital aufstellt und eigenständig bleibt, kann genau das bieten, was in großen Strukturen verloren geht – Nähe, Persönlichkeit, Authentizität.
Mein Fazit
Weniger „Pro oder Contra PE“, mehr Fokus auf Reformen und Zusammenhalt. Am Ende geht es nicht darum, wer den Markt kauft – sondern wer ihn gestaltet.